Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die drei Städte Padua, Mantua und Verona feiern den 500. Todestag von Andrea Mantegna in einer gemeinsam konzipierten Ausstellung. Andrea Mantegna, einer der bedeutendsten Maler und Bildhauer der Frührenaissance, wurde 1431 bei Vicenza geboren. In Padua kann man auf den Spuren des jungen Künstlers wandeln. Von 1443 bis 1453 lebt auch Donatello in Padua, und Mantegna wird vor allem durch die Zusammenarbeit mit dessen Gehilfen Pizzolo geprägt. Auch die restaurierte Ovetari-Kapelle mit ihren großartigen Fresken, die Mantegna gemeinsam mit anderen Künstlern erarbeitet hat, ist Teil der Ausstellungsstrecke. Die Kapelle wurde durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört, die Fresken zerfielen in mehr als 70.000 Einzelstücke. Nun sind Teile dieser Fresken wieder "in natura" zu sehen, andere Fresken der Kapelle wurden virtuell rekonstruiert. So ist es erstmals möglich, sich einen Gesamteindruck der Kapelle zu verschaffen.
1460 beruft Luigi III. Gonzaga den aufstrebenden Künstler nach Mantua. In dessen Diensten bleibt er auch, ungeachtet zahlreicher Aufträge, die aus Florenz, Pisa, Rom und natürlich auch aus Verona kommen. Sein Hauptwerk in Mantua ist die Ausmalung der Camera degli Sposi im Schloss. Er schuf damit eine der ersten illusionistischen Raumdekorationen - ein Deckenbild, das einen Durchblick in einen freien Raum vortäuscht.
Im Vorfeld der Ausstellung gab es heftige Diskussionen um ein besonders eindrucksvolles Werk Mantegnas, die Beweinung Christi, das in Mailand ausgestellt wird. Der leitende Direktor der Ausstellung, der Journalist und Kulturexperte Vittorio Sgarbi, befand, dass das Werk nicht transportfähig sei. Erst heftige Proteste und ein abschließendes Machtwort des aktuellen Kulturministers Rutelli, sorgte dafür, dass das berühmte Bild nun in der Ausstellung in Mantua zu sehen sein wird. Christus kommt nun doch nach Mantua.
Auch in Verona entstanden großartige Werke des Meisters, unter denen das Tryptichon von St. Zeno (1456-1459) und die Madonna in Gloria zwischen Heiligen und Engeln herausragt.
Mantegna gilt als der Vollender des Kunstideals der Florentiner Schule. Die Personen in Mantegnas Gemälden sind streng, voller Ernst und Würde. Farben werden oft hart und kontrastreich aneinander gesetzt. Großen Wert legt Mantegna auf die Anatomie des menschlichen Körpers, besonders eindrucksvoll auch zu sehen in der "Beweinung Christi". Perspektivische Mittel setzt Mantegna bewußt ein, manchmal auch überzeichnet. Deutlich ist auch der Einfluß der Antike, sei als "Zitat" in der Darstellung antiker Bildausschnitte oder Bauwerke in seinen Gemälden, sei es in der Charakteristik der Figuren, die oft eine vorbildliche Gelassenheit ausstrahlen.
Es lohnt sich, Andrea Mantegna zu entdecken. Die drei Ausstellungen bieten einen hervorragenden und umfassenden Einblick in sein Leben und Werk. Jede der Ausstellungen bemüht sich um einen Einordnung in den historischen Kontext und zeigt auch Meisterwerke seiner Zeitgenossen sowie der von ihm beeinflussten Maler.
Am 13. September 1506 starb Andrea Mantegna in Mantua. Die Ausstellungen öffnen ab dem 16. September ihre Pforten. Weitere Infos unter www.andreamantegna2006.it.
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