Giuseppe Bonaviri, Die blaue Gasse, Verlag C.H. Beck, € 19,90
Giuseppe Bonaviri beschreibt in seinem Buch "Die blaue Gasse" in poetischen Worten seine Kindheitserinnerungen. Das Blau und Violett der Gasse, das Spiel der Farben, der Tanz des Lichtes, der Klang der Glocken im Wind, der Geruch des Heus, der Gräser, der Tiere, der Duft Dardanias, das Gefühl der ersten Liebe, die Sehnsucht nach den inzwischen verstorbenen Geschwistern. Bonaviri schildert all diese kleinen und doch so wunderbaren Dinge als exakter Beobachter und mit großer Hingabe. Während der erste Teil des Buches das Landleben eines bäuerlichen archaischen Sizilien beschreibt, widmet sich der zweite Teil der "blauen Gasse" in Mineo, in der Nähe Catanias, in der Bonaviri seine Kindheit verbracht hat. Das Buch ist, das darf man hier mit Fug und Recht sagen, ein Alterswerk; Bonaviri konnte vor kurzem seinen 82. Geburtstag feiern. Es ist eine großartige Hommage an ein Sizilien, das es so nicht mehr gibt. "Die blaue Gasse" ist kein Roman; das Buch erzählt keine Geschichte. Es ist eine detailreiche liebevolle Beschreibung des Kosmos, vom Staubkorn bis zu den Sternschnuppen. Und: es ist auch unser Kosmos, auch wenn Bonaviris Städtchen nicht das unsere ist.
Nichts für schnelle Leser, doch wer Geduld hat, wird belohnt.
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