Piazza San Pietro – Platz der Gläubigen„Die Piazza mit Berninis Kolonnaden hat mir immer das Gefühl vermittelt, als sei ich in ein neues tausendjähriges Jerusalem getreten, in dem alles Kleine und Kleinliche unbekannt ist.“ George EliotDie riesige Ellipse, eingerahmt von den beiden Armen der Kolonnaden Berninis, ist fast eineinhalb mal so groß wie die Fläche, die das Kolosseum bedeckt. Er misst 340 x 240 Meter. Die Kolonnaden bestehen aus insgesamt 284 Säulen in Viererreihen und 88 Pfeilern. Darüber befinden sich über 150 Heiligenstatuen, die von Bernini geplant und von seinen Helfern ausgeführt wurden.
Den Platz schuf Bernini von 1656 bis 1667 im Auftrag von Papst Alexander VII. Die Peterskirche war zu diesem Zeitpunkt bereits vollendet und Bernini schuf mit diesem Platz für die Gläubigen aus aller Welt eine großartige und faszinierende Kulisse für die Gottesdienste, Feste und Treffen.
Auf dem Platz stehen zwei wunderbare, acht Meter hohe Brunnen aus Granit, deren Fontänen der Anlage einen Hauch von Festlichkeit verleihen. Im Pflaster der Piazza findet man unweit der beiden Brunnen zwei Scheiben, die die Brennpunkte der Ellipse angeben. Von diesen Punkten aus erscheinen die vier Säulenreihen als eine einzige.
Zwischen ihnen ragt ein antiker ägyptischer Obelisk auf. Dieser stand früher in der Mitte der Rennbahn von Kaiser Caligula, unweit von der heutigen Piazza San Pietro. Caligula wiederum hatte ihn im 1. Jh. n. Chr. auf einem eigens dafür gebauten 400-Tonnen-Schleppkahn nach Rom transportieren lassen. Es war der erste Obelisk, der seit der Antike wieder in Rom aufgestellt wurde. Der Transport des Obelisken war eine für diese Zeit technische Meisterleistung. 900 Männer und mehr als 140 Pferde brauchten mehr als vier Monate für den Transport. 44 Winden waren im Einsatz. Beim Aufrichten des Obelisken ereignete sich ein bemerkenswerter Zwischenfall: Der Papst hatte befohlen, dass alles in absolutem Schweigen vonstatten gehen sollte. Alles ging gut. Doch als der Obelisk schon fast senkrecht stand, gaben die Seile nach. Ein Matrose, der sich in der Menge der Zuschauer befand, rief unter Missachtung des Verbotes „Wasser auf die Seile!“ Man befolgte seinen Rat, die Taue strafften sich wieder und der Obelisk war gerettet. Der Obelisk ist der zweitgrößte in Rom und misst 25,5 Meter. Rechnet man Sockel und Spitze mit, kommt man auf 38 Meter. Auf dem Sockel beschreibt eine Inschrift die Aufgabe des Obelisken, „den Teufel zu bannen“ und preist den Sieg Gottes über die Mächte des Bösen.
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