Garibaldi - für die Einheit ItaliensGiuseppe Garibaldi 4. Juli 1807 in Nizza † 2. Juni 1882 auf Caprera (Sardinien)
Giusppe Garibaldi, das ist der Vorkämpfer für die Einheit Italiens. Ohne ihn ist der italienische Staat in seiner heutigen Form kaum denkbar. Auch heute noch legendär ist der Zug der Tausend, mit dem er fast im Alleingang den Grundstein für die heutige Einheit Italiens legte.
Ohne finanzielle Unterstützung, mit lediglich zwei gekaperten Schiffen und mit knapp 1000 Mitstreitern sticht er am 5. Mai 1860 von Genua aus in See. Richtung Süden. Ziel: Sizilien. Unbemerkt von englischen und französischen Schiffen gelingt es ihm, bei Marsala zu landen. Die sizilianische Bevölkerung unterstützt Garibaldi, sie leiden unter der rigiden Herrschaft der Bourbonen. Obwohl er sich nur auf ein kleines Heer stützen kann, gelingt ihm in der entscheidenden Schlacht der Sieg gegen die deutliche Übermacht der Bourbonen. Danach geht alles sehr schnell – Ende Mai eroberten Garibaldis Rothemden Palermo. Der bourbonische General Lanza, Herr über 18.000 Soldaten, bat um einen Waffenstillstand.
In der Nacht vom 18. zum 19. August 1860 gelang es Garibaldi und seinen Männern, inzwischen knapp 5000, von Messina aus nach Reggio überzusetzen. In der nächtlichen Aktion entwischten sie den bourbonischen Schiffen, die versuchten, die Überfahrt zu verhindern. Am 1. Oktober befreien Garibaldis Kämpfer schließlich die Stadt Neapel, die Herrschaft der Bourbonen über das südliche Italien ist damit faktisch beendet. Garibaldi erklärt sich zum Diktator über Süditalien.
Im Norden Italiens, im Königreich Piemont sehen König Vittorio Emanuele und sein oberster Minister Cavour die Erfolge Garibaldis mit gemischten Gefühlen. Garibaldi will mehr. Er brennt darauf, auch den Kirchenstaat zu befreien, doch dies dulden weder der König noch sein Premierminister. Eine Besetzung Roms hätte Frankreich unter Kaiser Napoleon III. eingreifen lassen und das Bündnis zwischen Piemont und Frankreich gefährdet. Auf Garibaldis militärischen Triumph folgt damit schnell seine politische Niederlage. Anfang November ziehen die Truppen Vittorio Emanueles in Neapel ein, um Garibaldi das Heft aus der Hand zu nehmen.
Grollend zieht sich Garibaldi auf die Insel Caprera im Nordosten Sardiniens zur Ruhe, die heute zum Nationalpark Maddalena gehört. Er hatte die Insel bereits um 1850 erworben. Caprera war schon nach den gescheiterten Aufständen im Jahr 1848 zu seinem Rückzugsort geworden. Nun schreibt er, mit Unterstützung des französischen Schriftstellers Victor Hugo an seiner Biographie, die nach der Fertigstellung schnell zum internationalen Bestseller wird.
1862 versucht er noch einmal seinen Traum von der Einheit Italiens zu realisieren und startet einen neuen Feldzug. Ziel: Rom, die Befreiung des Kirchenstaates. Doch die Truppen des Königs halten ihn auf. In der Schlacht am Aspromonte wird er schwer verwundet. Wieder zieht er sich, notgedrungen, auf seine Insel zurück.
Garibaldis Lebensleistung ließe sich auf diese 6 Monate von Mai bis November 1860 konzentrieren. Doch den Ruf, auch ausweglos scheinende Missionen zum Erfolg führen zu können, hat sich Garibaldi schon früh erworben.
Am 4. Juli 1807 wurde er im französischen Nizza geboren, das nach 1815 zum Königreich Piemont-Sardinien gehörte. Eigentlich hieß er Josephe-Marie Garibaldi, doch schon früh bestand er auf den Namen Giuseppe. 1834 nimmt er an einem Aufstand in Piemont teil. Dieser scheitert, Garibaldi wird zum Tode verurteilt. Doch es gelingt ihm, nach Südamerika zu fliehen. Dort beteiltigt er sich an Aufständen in Brasilien. In Uruguay führt er eine Flotte in den Krieg gegen Argentinien. Und immer hält er den Kontakt zu den italienischen Emigranten, die nur darauf warten, dass in Italien erneut Unruhen aufbrechen, die sich gegen die fremden Herrscher richten. 1848 kehrt er nach Italien zurück, ein Land, das er kaum mehr kennt. Er nimmt an den italienischen Unabhängigkeitskriegen teil. Und wird schon hier zum Mythos und Nationalhelden. Denn immer wieder gelingt es ihm, durch Glück und strategisches Geschick, auch scheinbar übermächtige Gegner zu besiegen. Er ist dabei, als in Rom durch Mazzini am 9. Februar 1849 die Römische Republik ausgerufen wird, doch schon im Juli 1849 muss sich die Revolutionsarmee der Übermacht der Franzosen beugen, die Rom zuvor über einen Monat lang belagert hatten. Garibaldi flieht zunächst nach New York, kommt jedoch bald wieder nach Europa zurück, um sich ein größeres Gut auf der Insel Caprera zu kaufen.
In den 70er Jahren ist Garibaldi Abgeordneter im italienischen Parlament, doch diese Rolle passt nicht zu ihm. Er ist ein Mann der Taten, nicht der Worte. Er lebt phasenweise in England und Frankreich, kehrt aber immer wieder auf Caprera zurück. Dort stirbt er am 2. Juni 1882. Und bald nach seinem Tod nimmt die Verehrung des Freiheitskämpfers, des „Helden zweier Welten“, des „Piraten der Freiheit“ immer größere Ausmaße an. Kaum ein Ort ohne eine Piazza oder Via Garibaldi, keine Kleinstadt ohne ein Garibaldi-Denkmal.
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