Leonardo Sciascia
* 8. Januar 1921 in Racalmuto (Provinz Agrigent) auf Sizilien † 20. November 1989 in Palermo
Leonardo Sciascia gehört zu den wichtigsten italienischen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Er hat sich in seinen zahlreichen Büchern immer wieder mit den Machtverhältnissen in Italien auseinandergesetzt - und dazu gehört in Italien natürlich auch die Mafia.
Wie eng Mafia und Politik miteinander verbunden sind, zeigt Sciascia unter anderem in seinem Kriminalroman "Der Tag der Eule" (Il giorno della civetta). Ein Kriminalkommissar, der aus dem Norden Italiens nach Sizilien entsandt wird, versucht zwei Mordfälle aufzuklären - ganz offensichtlich hat die Mafia ihre Hand im Spiel. Mit geschickten Verhören gelingt es ihm, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Doch kurz bevor er den Täter dingfest machen kann, machen ihm einflußreiche Politiker einen Strich durch die Rechnung, indem sie dem Verdächtigen ein perfektes Alibi verschaffen.
Im Nachwort Sciascias zu seinem Roman wird deutlich, dass er viele Passagen wieder strich, um allzu deutliche Anspielungen auf einflußreiche Politiker zu vermeiden. Und dennoch - Sciascias Roman führt so deutlich wie kaum ein anderer die Mechanismen der Mafia vor Augen.
Auch in anderen Romanen greift Sciascia politisch brisante Themen auf, oft auch in der Form des Krimis. Aus seinen vielen Werken sind folgende hervorzuheben:
1961 Der Tag der Eule (Il giorno della civetta) 1963 Der Abbé als Fälscher (Il consiglio d´Egitto) 1966 Tote auf Bestellung (A ciascuno il suo) 1971 Der Zusammenhang - Tote Richter reden nicht (Il contesto) 1973 Das weinfarbene Meer (Il mare color del vino) 1975 Das Verschwinden des Ettore Majorana (La scomparsa di Majorana) 1987 Porte aperte 1988 Una storia semplice
Kein Wunder, dass sich Leonardo Sciascia auch selbst in der Politik engagieren wollte. 1975 wurde er als unabhängiger Kandidat für die kommunistische Partei PCI in den Stadtrat von Palermo gewählt; nur zwei Jahre später trat er von seinem Amt jedoch wieder zurück. 1978 wurde er dann für die Radikalen (Partito Radicale) ins Europaparlament gewählt.
Seltsam und unverständlich wirkt im Rückblick seine Kritik an den Staatsanwälten Falcone, Borsellino und deren Mitstreitern im Kampf gegen die Mafia. In einem Artikel im Corriere della Sera (Januar 1987) diskreditierte er deren Engagement mit den Worten "Heute braucht man nur einen Prozess gegen die Mafia zu leiten, um Karriere zu machen." Seine Polemik und die anderer Zeitungen führten bald darauf zur Auflösung der zentralisierten Ermittlungen gegen die Cosa Nostra. Falcone und Borsellino wurden 1992 von der Mafia auf brutalste Weise ermordet.
Hervorzuheben ist schließlich noch seine Liebe zu seiner Heimat Sizilien. Trotz aller Kritik an den Zuständen bleibt er der Inselregion immer verbunden und verlässt sie nie für längere Zeit. In verschiedenen Essays und literarischen Werken setzt er seiner Heimat ein unverwechselbares Denkmal. (Im Verlag Wagenbach ist der lesenswerte Band "Mein Sizilien" erschienen).
Leonardo Sciascia jedoch starb im Alter von 68 Jahren am 20. November 1989 in Palermo. Bestattet wird er in seinem Geburtsort Racalmuto. Ein einfacher weißer Grabstein am Eingang des Friedhofs erinnert dort an ihn.
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Werkverzeichnis...
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