Marco Bellocchio * 9. November 1939 in Bobbio, Region Emilia Romagna
Mit Marco Bellocchio ehrt die Jury des Filmfestivals Venedig in diesem Jahr (2011) einen unbequemen italienischen Regisseur, dessen Filme zwar immer wieder Auszeichnungen erhielten, aber nur selten kommerziell erfolgreich waren.
Bellocchio unterbricht sein Studium der Philosophie, um an der römischen Filmhochschule, dem Centro Sperimentale di Cinematografia einige Kurse über Filmdarstellung und Regie zu besuchen. Doch die Auseinandersetzung mit dem Medium Film wird immer intensiver und Bellocchio zieht es weiter an die Londoner Slade School of Fine Arts.
Schon mit der ersten filmischen Arbeit zeigt sich der scharfe gesellschaftskritische Ansatz Bellocchios. Sein Debüt Die Fäuste in der Tasche ist eine wütende und aggressive Satire auf die Institution Familie, deren Zerfall er scharfsinnig analysiert.
Eine erste Nominierung für den Goldenen Bären erhält er für seinen Teil des Episodenfilms Liebe und Zorn, an dem auch Bertolucci, Pasolini, Godard und andere namhafte Regisseure beteiligt sind.
In Der Sprung ins Leere zeigt er, wie Menschen durch Institutionen unterdrückt und diszipliniert werden. In Tödliche Schlagzeilen (1973) setzt er sich kritisch mit der Macht der Presse und deren Einfluss auf politische Prozesse auseinander. Die Radikalität seiner Filme und sein Engagement in der kommunistischen Partei, zu deren linken Flügel er gehört, machen es ihm immer schwerer, die Finanzierung seiner Filmprojekte zu sichern.
Auf der Berlinale 1991 wird Bellocchio für seinen Film Die Verurteilung mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Der Prinz von Homburg (1997) wird für die Goldene Palme nominiert. Ora di religione (2002) wird bei den Internationalen Filmfestspiele von Cannes mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
Auch sein Film Vincere, in dem er sich mit dem Schicksal eines heimlichen Sohnes Mussolinis auseinandersetzt, ist bei den Filmfestspielen in Cannes zu sehen.
Filmografie 1965: Mit der Faust in der Tasche (I Pugni in tasca) 1968: China ist nahe (La cina e vicina) 1969: Liebe und Zorn (Amore e rabbia) 1972: Im Namen des Vaters (Nel nome del padre) 1973: Knallt das Monstrum auf die Titelseite! (Sbatti il mostro in prima pagina) 1975: Triumphmarsch (Marcia trionfale) 1975: Keiner oder alle (Matti da slegare) 1980: Der Sprung ins Leere (Salto nel vuoto) 1982: Die Augen, der Mund (Gli occhi, la bocca) 1984: Heinrich IV. (Enrico IV) 1986: Teufel im Leib (Il Diavolo in corpo) 1991: Die Verurteilung (La Condanna) 1987: Sabba, die Hexe (La visione del Sabba) 1995: Zerbrochene Träume - Argumente und Delirium (Sogni infranti – ragionamenti e deliri) 1997: Der Prinz von Homburg (Il Principe di Homburg) 1999: La Balia 2002: Ora di religione 2003: Der Tag, an dem die Nacht kam (Buongiorno notte) 2009: Vincere
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