Piazza Navona – Platz der FreudeAus den Urnen dieser Flussgötter wird der unmerklich vertiefte Umkreis der Fontäne, etwa ein Drittel des Platzes, bis zu einer Höhe von zwei Fuß überschwemmt. … Alle Augen sind auf den See gerichtet. Dieser wimmelt und schäumt von glänzenden Staatskarossen, leichten Kaleschen, Leiterwagen, Reitern, Handpferden und Eseln. Der Marchese fährt mit seiner Dame in langsamer Parade um die Fontäne … und die Rosse wiehern vor Lust in dem frischen Fußbade. Daneben treibt ein Bauer sein müdes Vieh in die Schwemme. … Wilhelm Müller (1794-1827)
Zu allen Jahreszeiten herrscht ein munteres Treiben auf dieser wunderschönen Piazza. In der Zeit um Weihnachten ist der Platz mit bunten Ständen übersät, mit Süßigkeiten, Spielwaren und Geschenken für kleine und größere Kinder. Zu allen anderen Zeiten tummeln sich hier Künstler, Zeichner, Karikaturisten, Artisten, Händler, Wahrsagerinnen…
In der Antike ließ Kaiser Domitian (81 – 96 n. Chr.) hier ein langgestrecktes Stadion von 240 x 65 Metern errichten, in dem mehr als 30.000 Zuschauer Platz fanden. Noch heute folgen Paläste und Kirchen um den Platz herum diesen Begrenzungen.
Blickfang im Zentrum des Platzes ist die Fontana dei Fiumi, dem Vier-Ströme-Brunnen (1647-1651). Bernini, der den Brunnen entworfen hatte, eroberte sich damit endgültig die Gunst des Papstes Innozenz X. aus der Familie der Pamphilj. Meisterhaft schuf Bernini eine eindrucksvolle Wasserlandschaft. Die vier riesenhaften Flussgötter symbolisieren die vier großen Ströme Donau, Nil, Ganges und Rio de la Plata aus den damals bekannten vier Erdteilen. Der römische Volksmund hat sich an die kolossalen Statuen geheftet und behauptet, der Nil verhülle sein Haupt, um die zahlreichen Konstruktionsfehler der Kirche Sant´Agnese nicht zu sehen, die Berninis Konkurrent Borromini errichtet hatte. Und der Rio de la Plata erhebe seine Hand, um die Kirche vor dem drohenden Einsturz zu bewahren.
Richtig ist jedoch, dass der Bau der Kirche Sant´ Agnese erst 1652 begonnen wurde, ein Jahr nach der Fertigstellung der grandiosen Brunnenanlage. Auch beim Bau dieser Kirche hat Papst Innozenz X. seine Hände im Spiel. Von Rainaldi begonnen, wurde die Kirche von Borromini von 1653 – 1657 vollendet und erhielt von ihm auch seine charakteristische Fassade mit seinen Fenstern, Säulen, Pfeilern, Giebeln, Baldachinen.
Die beiden kleineren Brunnen an den Enden der Piazza Navona sind zwar älter als der Vier-Ströme-Brunnen. Der südlich gelegene Brunnen (Fontana del Moro) erhielt wohl von Bernini selbst den mit einem riesigen Fisch kämpfenden Neptun, der vom Volksmund nur „Il moro“ genannt wird. Der nördliche Brunnen (Fontana di Nettuno) erhielt erst im 19. Jahrhundert die Figur des Neptun, der mit einem Speer gegen einen riesenhaften Oktopus kämpft.
Weitere Sehenswürdigkeiten:
• Links neben der Kirche Sant´ Agnese schließt der Palazzo Pamphilj an, der Wohnsitz der Familie Pamphilj. Der Palast beherbergt heute die Botschaft Brasiliens.
• In einer Seitenstraße hinter der Piazza befindet sich die deutsche Nationalkirche Santa Maria dell´Anima. Sie enthält das Grabmal des Papstes Hadrian VI. (gest. 1523), der bis zur Wahl Johannes Pauls II. der letzte Nichtitaliener auf dem Stuhle Petri war.
• Nur wenige Schritte vom Südende der Piazza entfernt liegt die Kirche Sant´ Andrea della Valle. Bewundernswert ist die grandiose Fassade der Kirche, die sie von Carlo Rainaldi (1665) erhielt. Das Innere der Kirche ist der Schauplatz des 1. Aktes der Oper „La Tosca“ von Puccini.
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