Michelangelo´s MeisterwerkDie Kirche San Pietro in Vincoli geht auf eine Stiftung der Kaiserin Eudoxia im Jahr 429 zurück. "Vincoli" heißt Kette. Die eisernen Ketten, die hier in einem Glasbehälter gezeigt werden, sollen die sein, mit den Petrus im Gefängnis in Jerusalem gefesselt war. Doch das ist sicher nicht die Hauptattraktion der Kirche.
Das Juwel der Kirche ist die Statue des Moses, an der Michelangelo eigentlich sein ganzes Leben lang - mit vielen Unterbrechungen - gearbeitet hat. Papst Julius II. war der Auftraggeber. Moses und viele weitere Statuen sollten Teil eines Grabmals werden, wie es die Welt bislang noch nie gesehen hatte. Nach den ursprünglichen Plänen sollte das gigantische Grabmal eine Grundfläche von 11 x 7 Metern umfassen. Insgesamt 40 Marmorstatuen waren vorgesehen. In der unteren Ebene sollten die Figuren die irdische Welt darstellen, das einfache Volk, die Sklaven. Darüber Moses, der Apostel Paulus und die Propheten. Und als krönender Abschluss das Relief von Papst Julius II. Die Konstruktion aus Marmor und Verkleidungen aus Bronze sollte den Zugang zu einem ovalen Raum mit dem eigentlichen Sarg eröffnen.
Papst Julius II. holte den 30jährigen Michelangelo für dieses gigantische Projekt nach Rom. Der junge Künstler, der mit der Statue des David und der Pietà bereits große Berühmtheit erlangt hatte, machte sich sogleich an die ersten Zeichnungen und Entwürfe und erhielt einen Vorschuß von 1000 Dukaten, mit dem er ausgewählte Marmorblöcke aus Carrara nach Rom bringen ließ.
Es würde zu weit führen, die gesamte Geschichte der Arbeit Michelangelos an diesem Projekt zu beschreiben - doch erst im Alter von 70 Jahren sollte Michelangelo die Arbeiten an diesem Werk abschließen. Der Auftraggeber, Papst Julius II., starb unerwartet früh und seine Nachfolger hatten zunächst kein größeres Interesse an seiner Fertigstellung. Für Michelangelo begann schon bald die Arbeit an den Decken- und Wandgemälden der Sixtinischen Kapelle.
Heute sind in San Pietro in Vincoli insgesamt sechs Statuen zu sehen. Die in jeder Beziehung herausragende Statue des Moses, dessen Gesichtsausdruck zwischen Entrückung (nach dem Empfang der Gesetzestafeln auf dem Berge Sinai) und Zorn (der Tanz um das Goldene Kalb) schwankt. Daneben die Statuen von Lea und Rahel, aus der Hand Michelangelos. Drei weitere Statuen fertigten Meister aus Michelangelos Werkstatt - nach Michelangelos Entwürfen. Was wir heute bestaunen können, ist dennoch großartig, eines der ganz großen Werke der Bildhauerskunst.
Die Kirche selbst wurde mehrfach umgestaltet. Von dem Gebäude aus dem 5. Jahrhundert ist nicht mehr viel zu erkennen. Die Innenausstattung zeigt den Baustil der Renaissance.
Im linken Seitenschiff der Kirche ist das Grab des deutschen Kardinals Nikolas von Kues (d. h. aus Kues an der Mosel). Er gilt als bedeutendster Philosoph des 15. Jahrhunderts. Nikolaus von Kues starb 1464 in Todi in Umbrien und wurde anschließend hier beigesetzt.
Piazza di San Pietro in Vincoli Metro-Linie B bis Colosseo oder Cavour
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