Paulus - Apostel der Völker, Schutzpatron der Stadt RomPaulus (Saulus)
* um 7 - 10 n. Chr. in Tarsos
† zw. 63 und 67 n. Chr. in Rom
Am 28. Juni 2008 hat Papst Benedikt XVI. in der Basilika San Paolo fuori le Mura feierlich das Paulusjahr eröffnet. Die katholische Kirche gedenkt in diesem Jahr an den 2000. Geburtstag des Apostels, Missionars und Theologen.
Nun, so ganz gesichert ist das Geburtsjahr des Paulus nicht. Historische Fakten und die Angaben aus der Apostelgeschichte und seinen Briefen legen ein Datum zwischen 7 und 10 n. Chr. nahe. Paulus stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus; sein Vater ist Zeltmacher und auch er erlernt später diesen Beruf. Sein Geburtsort Tarsus liegt in der heutigen Türkei; damals gehörte die Stadt zum römischen Reich, stand aber lange Zeit unter griechisch-hellenistischem Einfluss. Paulus´ Muttersprache war griechisch. Doch als Anhänger der Pharisäer, die die jüdischen Traditionen pflegten, ging er früh nach Jerusalem, um dort Hebräisch zu lernen und bei Gamaliel I., dem berühmten Rabbiner, Talmudlehrer und Mitglied des Hohen Rates, die Lehren des jüdischen Glaubens zu vertiefen.
Paulus wird in Jerusalem zu einem fanatischen Verfolger des neu aufkommenden Christentums. Paulus versteht sich als strenger Pharisäer und besteht auch auf der Beschneidung von zum jüdischen Glauben Konvertierten. Er kämpft gegen das aufkeimende Christentum und verfolgt deren Anhänger. Nach der Überlieferung war Paulus als Zuschauer und Handlanger bei der Steinigung des Stephanus präsent.
Auf einer seiner Reisen - Paulus war nach Damaskus aufgebrochen - vollzog sich die dramatische Wandlung vom Christenverfolger zum Anhänger des Christentums. Die Apostelgeschichte (Apg. 22, 5 - 16; 26, 12 - 18) erzählt von einer Vision Christi, Paulus stürzte zu Boden und konnte drei Tage lang nicht sehen. Paulus selbst beschreibt das Ereignis als Offenbarung des auferstandenen Christus (Galaterbrief 1,12).
- Beeindruckend, wenn auch historisch nicht zutreffend, ist die Darstellung der Bekehrung des Paulus im Bild Caravaggios, das heute in .... zu sehen ist. -
Als neuer Anhänger und Prediger des christlichen Glaubens wurde Paulus schon bald selbst verfolgt und musste heimlich aus Damaskus fliehen. Drei Missionsreisen führten ihn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nach Zypern, Kleinasien (auf dem Gebiet der heutigen Türkei) und Griechenland, unter anderem in die Städte Ephesus, Philippi, Athen, Korinth und Thessaloniki.
Während eines Besuches in Jerusalem wurde Paulus wohl im Jahr 57 dort gefangen genommen. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft klagt man ihn als Aufrührer an. Mehr zu seinem eigenen Schutz bringt man Paulus nach Cäsarea, der damaligen Hauptstadt Judäas. Dort bleibt der Apostel zwei Jahre lang in Haft, ohne Anklage. Der römische Stadthalter Felix kann sich aber auch nicht - gegen die Interessen des Hohen Rates der Juden - für eine Freilassung entschieden.
Unter dem neuen Stadthalter Porcius Festus wird die Akte Paulus noch aufgerollt. Der Hohe Rat besteht weiter auf einer Auslieferung, Porcius Festus ist schließlich dazu bereit. Bevor es dazu kommen kann, beruft sich Paulus auf sein römisches Bürgerrecht, das offensichtlich bereits seine Eltern besaßen.
Im Jahr 60 wird er per Schiff nach Rom überstellt. Doch heftige Stürme und ein Schiffbruch erzwingen einen Aufenthalt einer Insel im Mittelmeer, die mit dem Namen "Melita" angegeben wird und lange Zeit mit Malta identifiziert wurde. Es könnte sich aber auch um die kroatische Insel Mljet handeln. Wie dem auch sei, Paulus erreicht 61 n. Chr. Rom und kann dort offenbar relativ frei wirken. Mindestens zwei Jahre, vielleicht auch deutlich länger, lehrt und predigt er dort. Zuverlässige Nachrichten gibt es aus dieser Zeit jedoch nicht mehr. Viele Erzählungen sind legendenhaft ausgestaltet, z.B. die Begegnung mit Petrus und ihr gemeinsames Auftreten vor Kaiser Nero. Historisch verifizierbar ist dies alles nicht.
Auch sein Tod bleibt im Dunkeln. Erzählungen über den Märtyrertod des Paulus tauchen erst viel später auf, u.a. in den Paulusakten, die zwischen 150 und 200 in Kleinasien entstanden sind. Die Legende, Paulus sei im Sommer des Jahres 64 unter Kaiser Nero in Zusammenhang mit den Christenverfolgungen nach dem Brand Roms den Märtyertod gestorben, lässt sich nicht belegen. Sehr viel wahrscheinlicher ist Paulus um 67 eines natürlichen Todes gestorben.
In den Katakomben von San Sebastian an der Via Appia Antica finden sich schon früh Zeugnisse der Verehrung von Petrus und Paulus; mit hoher Wahrscheinlichkeit war hier zeitweise die Grabstätte der beiden Apostel zu finden. Seit Ende des 4. Jh. befinden sich die Gebeine in einer Grabstätte, über der die Basilika San Paolo fuori le mura errichtet wurde. Der Paulus-Sarkophag unter dem Altar der Kirche lässt sich heute durch eine Glasplatte bestaunen.
|