Rom, Filmstadt "Cinecittà"
Unscheinbar sieht er aus, der Eingang zu Italiens bedeutendster Filmstadt. Unfreundlich. Abweisend. Dicke Mauern. Rötliches Braun. Von Ruß geschwärzt. Und doch befindet sich hinter diesen Mauern die Stadt der Träume, der Phantasie, der Illusionen. Ein großes weitläufiges Gelände mit riesigen Hallen, gewagten Metallkonstruktionen, die Häuserfassaden, Plätze, Monumente vorspiegeln. Metallkonstruktionen, an denen der Rost nagt.
Via Tuscolana, 9 km vom Stadtzentrum entfernt. Alles begann am 26. Januar 1936, als der Grundstein für die Bauarbeiten am neuen Filmgelände gelegt wurden. Bauherr Benito Mussolini. Die bisherigen Anlagen waren abgebrannt, ein Neuanfang war notwendig. 15 Monate später, im April 1937 konnte mit den Dreharbeiten begonnen werden. Noch in den Kriegsjahren drehen Roberto Rossellini und Vittorio de Sica hier ihre ersten Film. Im September 1943, nach der Befreiung Roms durch die amerikanischen Truppen, werden die großen Produktionshallen genutzt, um die zahlreichen Flüchtlinge aufzunehmen.
Die Glanzzeit Cinecittàs beginnt jedoch in den 50er Jahren. Die Amerikaner kommen nun nach Rom, um hier zu drehen. "Quo Vadis" und "Ben Hur" entstehen. Giulio Andreotti, 29 Jahre alt, war verantwortlich für das Kulturministerium. Schon damals ein schlauer Fuchs, legte er per Dekret fest, dass die Amerikaner die Hälfte der Einnahmen, die sie durch in Cinecittà gedrehte Filme erzielten, wieder in Italien investieren mussten. Beginn eines Booms. Die großen Stars kamen und gingen hier ein und aus. Nicht nur Audrey Hepburn und Gregory Peck ("Ein Herz und eine Krone"). Sie belebten die Via Veneto. Das Nachtleben blühte auf. Und ein noch unbekannter junger Mann, von Rimini nach Rom gekommen, um hier seine ganz persönlichen Träume wahr werden zu lassen, beobachtete alles sehr genau: Federico Fellini. Um später mit "La dolce vita" ein großartiges Dokument dieser Atmosphäre auf Leinwand zu bannen. Fellini - der so sehr mit Cinecittà verbunden war, dass er hier sogar seine eigene Wohnung bezog. Mitten in der Filmstadt, Tag und Nacht. In den 60er und 70er Jahren drehen hier auch Visconti, De Sica und Pasolini. Die große Zeit des italienischen Kinos.
Und heute? Natürlich werden hier immer noch große, auch international erfolgreiche Filme gedreht. Mel Gibson drehte u.a. hier seine "Passion Christi". Scorsese filmt hier "Gangs of New York". Giuseppe Tornatore ("Malena", 2000) und viele weitere italienische Regisseure nutzen die Studios für ihre Filmprojekte. Und doch scheint der große Zauber vorbei zu sein. Viele italienische Filmproduktionen bleiben an der Oberfläche. Viele Produktionen sind kommerziell recht erfolgreich, doch Filme, die ins Herz, ins Zentrum unserer Gefühle vorstoßen, sind selten. Und längst werden die Hallen für die abendlichen Fernsehshows genutzt. Und Halle 6 besetzen die Insassen von "Big Brother". Cinecittà ist 70. Wir wünschen gute Besserung.
www.cinecitta.com www.cinecittastudios.it
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