Michelangelo Antonioni
* 29. September 1912, Ferrara
gest. 30. Juli 2007, Rom

"Es gibt Regisseure, die wollen eine Geschichte erzählen und suchen sich nachträglich den am besten dazu passenden Rahmen. Bei mir ist es umgekehrt: Es ist immer eine Landschaft, ein Ort, irgendein Fleck, wo ich gerne drehen möchte und daraus entstehen die Themen meiner Filme."

So ist es. Die Orte in Antonionis Filmen sind suggestiv, besitzen einen ganz eigenen Charakter und bestimmen damit den Charakter des Films. Der verlassene Park in "Blow up", die Wüste des Death Valley in "Zabrinskie Point" und sogar noch des nebelverhangene Ferrara in seinem bislang letzten Film "Jenseits der Wolken". Innenwelt und Außenwelt interpretieren sich gegenseitig. Wie in "Liebe 1962" (Originaltitel: "L´eclisse"): Aufleuchtende Scheinwerfer, grelles Neonlicht, ein in einer Wassertonne schwimmendes Holzstück - alles spiegelt den Seelenzustand einer jungen Frau in einer Welt rasant wachsender Selbstentfremdung.

Dies ist das zentrale Thema Antonionis: die Brüchigkeit menschlicher Gefühle, die zunehmende Selbstentfremdung, die "innere Kontaktlosigkeit moderner Menschen", die Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren, die wachsende Leere des Gefühlslebens.  

Michelangelo Antonioni wurde am 29. September 1912 in Ferrara als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Er schließt zunächst ein Studium als Volkswirt ab, geht jedoch 1939 nach Rom, um sich nun ganz dem Film zu widmen. Zunächst schreibt er für die offizielle faschistische Filmzeitschrift "Cinema". Seine positiven Kritiken faschistischer Propagandafilme werden ihm später böse Kommentare einbringen. 1943 beginnt er sein Studium am Centro Sperimentale. Militärdienst und die Invasion der Amerikaner unterbrechen seine filmischen Arbeiten. Es dauert bis 1950, bis mit "Chronik einer Liebe" sein erster bedeutender Film erscheint.

Herausragend ist sein Meisterwerk "Die Nacht", eine Geschichte über Liebe und Lust, eingebettet in die Nacht eines Festes. Gemeinsam mit "L´avventura" und "L´Eclisse" bildet der Film eine Trilogie, mit der Antonioni ein neues Konzept der Filmdramaturgie schafft. Er findet in diesen Werken zu seiner eigenen Filmsprache: streng komponierte Einstellungen, zusammengefügt in hypnotischen Rhythmen.

"Zabriskie Point" ist Antonionis Hommage an die Hippie-Bewegung, bzw. die Bewegung der 68er. Nach einer gewalttätigen Studentenrevolte, bei der ein Schwarzer und - kurz darauf - ein Polizist getötet werden, fliehen der Student Mark und die Sekretärin Daria in die Wüste. Eine intensive hoffnungslose Affäre beginnt. Doch der persönliche Traum zerplatzt ebenso wie der Aufbruch in die Revolte. Am Ende des Filmes steht die Explosion eines Hauses, die aus unzählig unterschiedlichen Perspektiven gezeigt wird - zu den Klängen der Musik von Pink Floyd. Von der amerikanischen Kritik wird der Film zerrissen; man hält Antonioni vor, er sei linksradikal und antiamerikanisch und geht mit Prozessen gegen ihn und den Film vor.

Dem Film wurde in den USA eine linksradikale und antiamerikanische Aussage vorgeworfen, und es wurden erfolglos verschiedene Prozesse angestrengt.

1984 dreht Antonioni ein Videoclip für den Song "Fotoromanza" von Gianna Nannini. 1985 erleidet er einen Schlaganfall, der es ihm nahezu unmöglich macht, größere Filmprojekte zu realisieren. Mit der selbstlosen Hilfe Wim Wenders dreht er "Jenseits der Wolken", seinen bislang letzten Kinofilm.

Am 30. Juli 2007 stirbt Michelangelo Antonioni in seiner Wohnung in Rom, friedlich im Lehnstuhl eingeschlafen, seine Frau an seiner Seite. Seine letzte Ruhestätte wird er in Ferrara finden, seinem Geburtsort.

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Filmografie
1947  Gente del Po
1948  Netezza urbana
1949  L'amorosa menzogna
1949  Superstizione sette canne
1949  Un vestito
1950  La villa deit mostri
1950  Funivia del Faloria
1950  Chronik einer Liebe (Cronaca di un amore)
1952  Kinder unserer Zeit (I vinti)
1953  Die große Rolle (La signora senza Camelie)
1953  Selbstmordversuch (Tentato suicidio)
1955  Die Freundinnen (Le amiche)
1957  Der Schrei (Il grido)
1959  Die mit der Liebe spielen (L'avventura)
1960  Die Nacht (La notte)
1962  Liebe 1962 (L'eclisse)
1964  Die rote Wüste (Deserto rosso, Leone d´Oro für den besten Film, Filmfest Venedig)
1965  Probeaufnahmen (Il provino)
1966  Blow Up (Großer Preis, Filmfestival Cannes; Oscar-Nomierung in der Kategorie "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch; )
1970  Zabriskie Point
1972  Antonionis China
1974  Beruf: Reporter
1980  Videoexperiment: Das Geheimnis von Oberwald (Il mistero di Oberwald)
1982  Identifikation einer Frau (Identificazione di uns donna)
1983  Ritorno a liscia bianca
1984: Videoclip: Fotoromanza (für Gianna Nannini)
1989: Kumbha Mela
1990: Roma (Roma)
1992: Noto mandorli vulcano Stromboli carnevale
1995: Jenseits der Wolken (Par delà les Nuages) Regie: Kooperation mit Wim Wenders