Orvieto - Juwel UmbriensOrvieto, Umbrien
Die Altstadt Orvietos liegt auf einem steil aufragenden Felsplateau aus Tuffgestein. Wer direkt von der Autobahn kommt, erklimmt in lang gewundenen Serpentinen den Hügel aus Tuffgestein, vorbei an Weinbergen, Olivenbäumen und den berühmten Etruskergräben. Schon der Name selbst spricht von der langen Geschichte des Städtchens. Orvieto ist aus dem lateinischen Urbs vieto (alte Stadt) entstanden. Wissenschaftler vermuten, dass Orvieto der Standort der etruskischen Stadt Velzna (lat. Volsinii) ist und zu den zwölf Hauptstädten des Etruskerreiches gehörte.
Das heutige Stadtbild wird durch den alles dominierenden Bau des Doms geprägt. Schon von weitem ist das machtvolle Gebäude sichtbar. 1288 begann man unter Baumeister Arnolfo di Cambio mit dem Bau. Bereits zehn Jahre später war der Rohbau fertig.
Die schön gestaltete und mit zahlreichen Reliefs geschmückte Fassade wurde wohl zwischen 1300 und 1310 vollendet. Die Gestaltung der Reliefs zeigt deutliche Anklänge an die klassische römische Bildhauerei, vor allem aus der Zeit der Kaiser Hadrian und Konstantin; auch die Reliefs der Säule Trajans in Rom dienten als Vorbild für die Arbeiten. Die Fensterrose stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts aus der Werkstatt von Andrea Arcagna (um 1354). Um 1380 wurden die seitlichen Fassadengiebel hinzugefügt, erst um 1530 der mittlere Giebel.
Besonders schön gearbeitet sind die Wandreliefs im Bereich des Sockels. Von 1310 bis 1320 hat der unbekannte Künstler daran gearbeitet. Die zart, lyrisch, fast weich gearbeiteten Reliefs spannen den Bogen von Schöpfungsgeschichte (1. Pfeiler) über die Prophezeingen des kommenden Messias (2. Pfeiler), Geschichten aus dem Leben Jesu (3. Pfeiler) bis zum Jüngsten Gericht (4. Pfeiler). Sie bedecken eine Fläche von 112 qm, sind hervorragend erhalten, heute aber hinter Glas geschützt.
Im Innenraum des Doms ist die Capella Nuova mit dem berühmten Freskenzyklus von Luca Signorelli (ab 1499) besonders hervorzuheben. Der Zyklus ist für die italienische Malerei von großer Bedeutung, da Signorelli vor allem bei der Komposition und Zeichnung der zahlreichen Figuren deutlich über die Möglichkeiten seines Lehrmeisters Piero della Francesca hinausgeht. Die Figuren werden varienten- und facettenreicher, Signorelli legt großen Wert auf die körperlichen Proportionen seiner Figuren. Diese Gestaltungsmittel greift Michelangelo später auf, besonders bei der Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Sixtinischen Kapelle.
Das wohl wichtigste kirchliche Fest in Orvieto ist Fronleichnam. Anlass für den Bau des Doms war das sog. Blutwunder im nahe gelegenen Bolsena. Aus einer Hostie soll während des Abemdmahls Blut getropft sein. Noch heute wird das mit Blut getränkte Altartuch in einer Seitenkapelle aufbewahrt.
Oriveto war zeitweise sogar Residenzstadt der Päpste. So musste Clemens VII. 1527 nach Oriveto fliehen, als Rom ("Sacco di Roma") nach der Belagerung durch die Truppen Karls V. zerstört wurde. Auf päpstlichen Befehl wurde dann auch der Pozzo die San Patrizio gebaut, ein schon damals von Architekten hoch geschätztes Bauwerk. Mit einem Durchmesser von fast 5 Metern erreicht er eine Tiefe von 58,5 Metern. An seinen Mauern brachte man Treppen in Form einer Doppelspirale an. So konnten Menschen und Lasttiere in den Brunnen hinunter- und wieder hinaufsteigen, ohne einander zu begegnen.
Orvieto ist außerdem bekannt als Weinbaugebiet (Orvieto DOC). Die Stadt Orvieto ist außerdem Teil der Bewegung Città Slow, die sich für die "Entdeckung der Langsamkeit", eine Verbesserung der Lebensqualität und einen sanften Tourismus einsetzt.
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